Ein Unternehmen, das mehr als eine Produkt- oder Dienstleistungslinie verkauft, benötigt eine faire Methode, um gemeinsame Gemeinkosten — Bürorente, Verwaltungsgehälter, gemeinsam genutzte Software — auf alles zu verteilen, das es unterstützt, anstatt anzunehmen, dass jede Linie einen gleichen Anteil trägt. Eine reine Verteilung nach Umsatzanteil kann ein hochrentables, wenig aufwendiges Produkt künstlich weniger profitabel erscheinen lassen, während ein arbeitsintensives, aber umsatzschwächeres Produkt künstlich profitabler aussieht — die falsche Verteilungsmethode kann wirklich irreführend sein, welche Produkte priorisiert werden sollten.
Warum eine korrekte Gemeinkostenverteilung entscheidend ist
Viele kleine Unternehmen verteilen Gemeinkosten auf Bauchgefühl oder nach dem einfachsten verfügbaren Schlüssel. Das führt zu verzerrten Kostenkalkeln und schlechten Geschäftsentscheidungen. Wenn Sie beispielsweise glauben, dass ein Produkt profitabel ist, aber die Kostenrechnung falsch ist, könnten Sie Ressourcen in eine tatsächlich verlustbringende Produktlinie investieren.
Eine Studie des Journal of Small Business Management zeigte, dass etwa 40 % der kleinen Unternehmen keine systematische Kostenverteilungsmethode verwenden — sie schätzen stattdessen. Das führt durchschnittlich zu 15–20 % Abweichungen bei den berechneten Produktrentabilitäten.
Gängige Verteilungsmethoden im Detail
1. Nach Umsatzanteil
Jedes Produkt trägt Gemeinkosten proportional zu den Einnahmen, die es generiert.
Beispiel: Ein Catering-Unternehmen hat zwei Geschäftsbereiche:
- Bereich A (Firmenevents): 60.000 € Jahresumsatz
- Bereich B (Hochzeiten): 40.000 € Jahresumsatz
- Gesamtgemeinkosten: 20.000 € (Bürorente, Administration, Versicherung)
Bei dieser Methode trägt Bereich A 60 % der Gemeinkosten (12.000 €) und Bereich B 40 % (8.000 €).
Wann sinnvoll: Wenn beide Produkte ähnliche Herstellungsprozesse oder Serviceaufwände haben und die Umsatzunterschiede hauptsächlich durch Volumen entstehen.
Problem: Wenn Bereich B eine hohe Gewinnmarge hat, aber geringere Umsätze, wird diese Methode den tatsächlichen Ressourceneinsatz nicht widerspiegeln.
2. Nach direkter Arbeitszeit oder Produktionszeit
Sinnvoll, wenn Produkte bedeutend unterschiedliche Mengen an praktischer Arbeit erfordern.
Beispiel: Ein IT-Dienstleistungsunternehmen bietet zwei Services an:
- Service A (Standard-Support): 500 Stunden pro Jahr geleistete Arbeit, 30.000 € Umsatz
- Service B (Maßgeschneiderte Lösung): 250 Stunden pro Jahr geleistete Arbeit, 35.000 € Umsatz
- Gesamtgemeinkosten: 15.000 €
Gesamtarbeitsstunden: 750. Service A trägt 500/750 = 67 % (10.000 €) und Service B 33 % (5.000 €).
Wann sinnvoll: Bei Dienstleistungsunternehmen, Manufakturen oder Betrieben, wo der Arbeitsaufwand stark variiert.
3. Nach Ressourcennutzung (Fläche, Maschinen, Lagerbestand)
Relevant, wenn Produkte physisch unterschiedliche Mengen an Lagerplatz, Maschinenzeit oder Fabrikfläche beanspruchen.
Beispiel: Ein Einzelhandelsgeschäft mit zwei Produktlinien:
- Linie A (Elektronik): nimmt 200 m² Verkaufsfläche ein
- Linie B (Textilien): nimmt 100 m² Verkaufsfläche ein
- Jährliche Gemeinkosten (Miete, Heizung, Beleuchtung): 30.000 €
Gesamtfläche: 300 m². Linie A trägt 200/300 = 67 % (20.000 €) und Linie B 33 % (10.000 €).
Wann sinnvoll: Bei Produkten mit großen Unterschieden im Lagerbestand, in der Lagerfläche oder in der Maschinennutzung.
Hybridansatz für komplexe Situationen
Viele Unternehmen profitieren von einer Kombination mehrerer Methoden:
- Verteilen Sie variable Gemeinkosten (z. B. Stromkosten für Maschinen) nach Maschinenzeit
- Verteilen Sie administratorische Gemeinkosten (z. B. Buchhaltung) nach Umsatzanteil oder Anzahl der Transaktionen
- Verteilen Sie Raumkosten nach tatsächlich genutzter Fläche
Praktische Schritte zur Implementierung
- Alle Gemeinkosten sammeln: Führen Sie alle Gemeinkosten für einen Monat oder ein Jahr auf (Miete, Gehälter, Software, Versicherung, etc.).
- Kostenverursacher identifizieren: Fragen Sie: Was verursacht diese Kosten wirklich? Die Umsatzhöhe? Die benötigte Arbeitszeit? Die belegte Fläche?
- Methode wählen: Wählen Sie eine oder mehrere Verteilungsbasen basierend auf Ihren Kostenverursachern.
- Daten sammeln: Erfassen Sie für jeden Kostenbereich die notwendigen Metriken (Arbeitszeiten, Fläche, Umsätze) für eine typische Periode.
- Berechnen und überprüfen: Führen Sie die Berechnung durch und validieren Sie die Ergebnisse — ergeben sie geschäftlich Sinn?
Ein praktischer Ausgangspunkt
Wählen Sie die Verteilungsmethode, die am besten widerspiegelt, was Ihre Gemeinkosten in Ihrem spezifischen Unternehmen wirklich verursacht, anstatt einfach nach Umsatzanteil zu gehen, nur weil das die einfachste Zahl ist, die Sie zur Hand haben. Ein häufiger Fehler ist, die Methode zu wählen, die das gewünschte Ergebnis liefert — das führt zu Entscheidungen basierend auf Illusion statt auf Wirklichkeit. Überprüfen Sie Ihre Methode mindestens einmal im Jahr neu, da sich die Kostenstrukturen ändern können.